“Wir sind auf dem Weg in die Wissensgesellschaft” oder gar “Wir sind in der Wissensgesellschaft angekommen” hört man immer häufiger. Doch was bedeutet das überhaupt? Über die kurz-, mittel- und langfristigen Auswirkungen auf uns, auf unsere Gesellschaft und auf unsere Art zu Leben wird wenig eingegangen.
Um etwas Licht in diese Entwicklung zu bekommen, lohnt sich ein Bick zurück in der Geschichte. Was hat der Übergang von der Agrargesellschaft in die Industriegesellschaft bedeutet? Es waren gesellschaftliche Verwerfungen von riesigem Ausmaß mit positiven wie negativen Konsequenzen.
Der Übergang von der Industriegesellschaft in die Wissens- und Informationsgesellschaft, an dessen Anfang wir stehen, wird in Verbindung mit anderen gesellschaftlichen Effekten ähnlich Verwerfungen mit sich bringen - nur viel schneller. Daher halte ich es für wichtig, sich sehr viele Gedanken zu machen, wie man diesen Übergang gestalten kann.
Eine Firma, die sich derartige Gedanken gemacht hat, ist Netflix in den USA. Dort wurde erkannt, dass unsere Arbeitswelt durch die Möglichkeiten, die uns die neuen Technologien bringen, immer mehr aufweicht. Viele Führungskräfte und Mitarbeiter arbeiten auch am Wochende und am Abend, was in Detuschland inzwischen nicht viel anders ist. Dennoch müssen die ca. 40 Stunden im Büro”abgerissen” werden. Die Frage, die sich hier stellt: Macht die Anwesenheitsheit am Arbeitsplatz in der Wissens- und Informationsgesellschaft als Maß für die Leistung noch Sinn? Oder sollte man dieses Maß als Relikt aus der Industriezeit, als die Menschen noch am Fließband standen, abschaffen?
Netflix ist den Weg eines innovativen Arbeitszeitmodells gegangen. Die Mitarbeiter können sich ihre Zeit bis hin zum Urlaub frei einteilen und frei organisieren. Die Leistung muss stimmen - that’s it.
Ich bin sicher, dass dieses Modell als logische Konsequzen der Wissens- und Informationsgesellschaft Schule machen wird - mit all’ seinen Vorteilen und Nachteilen. Sicher ist, dass die Menschen zu einem gewissen Grad auf diese Art der Arbeit und den Umgang mit den Freiräumen vorbereitet werden müssen. Sonst besteht die Gefahr der Selbstausbeutung, die vergleichbar Züge zur Ausbeutung am Beginn des Industriezeitalters aufweisen könnte. Oder bildhaft gesprochen: Die Menschen müssen lernen, das jedes Gerät einen Ausschaltknopf hat.
Wen dieses Thema interessiert, den möchte ich auf den entsprechenden Artikel auf Spiegel-Online verweisen (sehr lesenswert):
Neue Arbeitszeitmodelle - Urlaub ohne Ende
Gerne können Sie in diesem Blog Ihre Gedanken zu diesem Thema äußern. Ich freue mich darauf.
Herzliche Grüße aus dem Kraichgau
Konrad Fassnacht